Gut vorbereitet ins Bewerbungsgespräch als Lehrer

Auch für Lehrer ist das Bewerbungsgespräch mittlerweile keine Seltenheit mehr. Immer mehr Lehrer arbeiten auf Angestelltenbasis, weil sie etwa nach dem Referendariat keine Planstelle bekommen haben. Darüber hinaus ist es durchaus sinnvoll, sich nach dem Referendariat von Schulen anfordern zu lassen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, heimatnah eingesetzt zu werden. Auch dazu muss man natürlich den Schulleiter des gewünschten Dienstortes erst einmal in einem Kennenlern- bzw. Bewerbungsgespräch davon überzeugen, dass sich eine Anforderung für die Schule lohnt.

Häufig gestellte Fragen im Bewerbungsgespräch als Lehrer

Wie in jedem anderen Job auch, sollte man sich als Lehrer auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten, indem man sich Gedanken über mögliche Fragen macht, die einem gestellt werden könnten. Im Folgenden haben wir einige Fragen thematisch gesammelt und Antworten auf zwei der häufigsten Fragen näher beleuchtet.

Einstellung zum Beruf

  • „Was hat Sie bewogen, Lehrer zu werden?“
  • „Wie würden Sie sich als Lehrer charakterisieren?“
  • „Wie sieht für Sie guter Unterricht aus?“
  • „Welche Erfahrungen haben Sie im Referendariat sammeln können?“
  • „Was erwarten Sie von Kollegen? / Was erwarten Sie von der Schulleitung?“
  • „Wie schaffen Sie sich selbst einen Ausgleich zum Berufsalltag?“
  • „Welches pädagogisches Leitbild verfolgen Sie als Lehrer?“
  • „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“ (Weiter unten findest du Tipps für die Beantwortung dieser Frage)

Motivation

  • „Warum bewerben Sie sich ausgerechnet an dieser Schule?“ (Weiter unten findest du Tipps für die Beantwortung dieser Frage)
  • „Wie wecken Sie bei Ihren Schülern das Interesse für ihre Fächer?“
  • „Welche Fächer könnten Sie sich vorstellen, fachfremd zu unterrichten?“
  • „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“

Handeln in konkreten Situationen

  • „Wie gehen Sie mit ständig im Unterricht störenden Schülern um?“
  • „Wie reagieren Sie, wenn Schüler regelmäßig zu spät in den Unterricht kommen?“
  • „Welche AG könnten Sie gegebenenfalls an unserer Schule übernehmen?“
  • „Was tun Sie, wenn Sie Streitigkeiten zwischen Schülern bemerken?“
  • „Wie gehen Sie mit Mobbing in Ihrer Klasse um?“
  • „Welche Unterrichtsform bevorzugen Sie?“
  • „Auf welche Weise binden Sie die Nutzung von Smartphones in den Unterricht ein?“
  • „Welche Erfahrungen haben Sie bisher als Klassenleitung gemacht?“
  • „Welche Projekte könnten Sie sich in ihren Fächern vorstellen?“
  • „Was machen Sie mit ihrer Klasse am ersten Tag des Schuljahres?“
  • „Welche Möglichkeiten der Förderung begabter/schwacher Schüler kennen Sie und halten Sie für sinnvoll?“
  • „Ein Elternteil berichtet: ‚Julia hatte nie Problem im Fach x, bis sie Sie bekommen hat.‘ Wie reagieren Sie?“
  • „Wo sehen Sie bei Ihren Fächern Möglichkeiten für fächerverbindendes Arbeiten?“
  • „Digitalisierung in der Schule: Welche Möglichkeiten und Probleme sehen Sie?“

Da die Antworten auf die meisten dieser Fragen sehr individuell sind, macht es wenig Sinn, hier Standardantworten zu präsentieren. Es empfiehlt sich aber, jede dieser Fragen vor einem Vorstellungsgespräch einmal für sich selbst zu beantworten. Außerdem kann es hilfreich sein, ein Bewerbungsgespräch mit einer vertrauten Person einmal durchzuspielen oder sich einfach über die Fragen und mögliche Antworten mit jemandem zu unterhalten.

Auf zwei der oben genannten Fragen möchten wir an dieser Stelle aber noch etwas näher eingehen:

„Warum bewerben Sie sich ausgerechnet an diese Schule?“

Meist ist die Antwort darauf recht simpel. Man bewirbt sich in der Regel an Schulen, die in der Nähe des eigenen Wohnorts gelegen sind. Natürlich sollte so etwas nicht unerwähnt bleiben. Auch für die Schule hat es Vorteile, wenn die Lehrer aus der Gegend sind. Zum einen kann ein Schulleiter auf diese Weise besser mit seinem Personal planen, weil er weiß, dass diese Leute bleiben wollen und nicht jährlich Versetzungsantrag stellen werden. Zum anderen wirkt es sich positiv auf das Schulklima aus, wenn die Lehrer aus dem näheren Einzugsgebiet stammen. Sie sind dann gerne an der Schule, bauen ein engeres Verhältnis zu den Schülern und den anderen Kollegen auf, wirken gerne an der Schulentwicklung mit, usw.

Die Heimatnähe sollte bei einem Gespräch mit dem zukünftigen Chef aber nicht der einzige Grund sein, den man auf obige Frage anführt. Man sollte ebenso zeigen, dass man sich mit dem Profil der Schule auseinandergesetzt hat und sich an der Weiterentwicklung dieser einbringen möchte. Hierzu lohnt sich ein Blick auf die Internetseite der entsprechenden Wunschschule. Was hebt die Schule von anderen ab? Zum Beispiel die Reihenfolge der Fremdsprachenwahl, das Angebot an Schüleraustauschen, eine Sternwarte, eine Theatergruppe, eine Schülerzeitungs-AG, usw. Wichtig ist, sich im Vorfeld selbst zu überlegen, wo sich Anknüpfungspunkte zwischen den eigenen Interessen und dem Profil der Schule finden. Wenn das Gespräch nicht ohnehin automatisch in diese Richtung geht, wird der Schulleiter eventuell konkret nachfragen, welche AGs man sich vorstellen könnte zu übernehmen. Schulleiter sind angewiesen auf engagierte Lehrkräfte, die ihre Schule voranbringen und hier sollte man zeigen, dass man der Richtige ist, um dabei mitzuwirken.

„Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“

Mit dieser Frage will ein Schulleiter einen wirklich kennenlernen, sozusagen einen Blick hinter die Fassade werfen. Auch wenn man sich auf diese Frage vorbereiten kann, fällt eine ehrliche Antwort den meisten von uns schwer.

Schwächen im Vorstellungsgespräch

Wir haben alle unsere Schwächen, das steht fest. Bei einem Vorstellungsgespräch gilt es zu zeigen, dass man reflektiert mit diesen umgeht. Was daher wohl sicherlich weniger ankommt, sind Floskeln und Standardantworten:

  • „Ich bin zu perfektionistisch.“ (Sind das nicht alle Lehrer?)
  • „Ich arbeite zu viel.“ (Tun das nicht alle Lehrer?)
  • „Ich bin zu ehrgeizig.“

Ebenfalls verzichten sollte man auf

  • Schwächen, die einen als Lehrer ungeeignet erscheinen lassen:
    fehlendes Durchsetzungsvermögen, Probleme, vor der Klasse zu sprechen, Vergesslichkeit, fehlende Organisationsfähigkeit, usw.
  • einen Seelenstriptease:
    Eine, maximal zwei Schwächen zu nennen reicht völlig aus
  • Humor (?)
    Ob Humor bei dieser Frage angebracht ist, ist wohl sehr typabhängig. Wirkt die Antwort wie vorher einstudiert, um letztlich der Frage auszuweichen, sollte man besser darauf verzichten. Ansonsten ist gegen eine humorvolle Antwort in einem Jobinterview nichts einzuwenden, wenn im Weiteren dennoch klar wird, dass man sich auch reflektiert mit der Frage auseinandersetzen kann.

Wie also nun antworten auf die Frage nach den eigenen Schwächen?

Am besten man antwortet ehrlich gepaart mit einem guten Vorsatz, wie man an der jeweiligen Schwäche arbeiten möchte, z.B. „Ich bin nicht so fit mit Excel. Vorgefertigte Notentabellen kann ich natürlich nutzen, aber diese selbst verändern kann ich nicht. Ich habe aber gesehen, dass xy eine Online-Fortbildung für Excel anbietet. Diese möchte ich demnächst machen.“

Auch möglich ist es, eine Schwäche zu relativieren: „gelegentlich“, „stellenweise“, „vereinzelt“,…

Stärken im Vorstellungsgespräch

Viele fühlen sich bei der Frage nach den eigenen Stärken deutlich wohler. Schließlich fällt es leichter, über die eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen zu reden. Vermeiden sollte man natürlich, in einen Lobgesang über sich selbst zu verfallen. Grundsätzlich gilt, man sollte weder übertreiben, was die eigenen Fähigkeiten anbelangt, noch tiefstapeln. Wie bei den Schwächen ist hier Ehrlichkeit gefragt.

Stärken können sich auf verschiedene Bereiche beziehen, etwa die eigene fachliche Kompetenz, die erzieherische Kompetenz oder die Unterrichtskompetenz. In jedem Fall sollte man die eigenen Stärken mit konkreten Beispielen beilegen, um zu zeigen, dass es sich hierbei nicht um leere Worthülsen handelt.

Kleider machen Leute

Natürlich entscheidet kein Sakko darüber, ob man die Stelle bekommt oder nicht, aber: Der erste Eindruck beim Bewerbungsgespräch zählt – und der hängt nicht selten auch von einem ansprechenden äußeren Erscheinungsbild ab. Wie im Berufsalltag gilt auch für Lehrer auch beim Bewerbungsgespräch als Dresscode: schick, aber nicht übertrieben formell.

 

 

Tipps für das richtige Lehrer-Outfit findet ihr in diesem Artikel.  

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Pünktliches Erscheinen ist bei einem Bewerbungsgespräch darüber hinaus natürlich eine Selbstverständlichkeit. Am besten plant man einen wirklich großzügigen zeitlichen Puffer ein. Je länger die Anfahrt dauert, desto mehr zeitlicher Puffer ist notwendig.

Wenn man dann zu früh an der Schule ist, schadet das ja überhaupt nicht. Man hat ausreichend Zeit, sich mit dem Schulgebäude vertraut zu machen und die entsprechenden Räumlichkeiten aufzusuchen. Wer schon völlig gehetzt und gerade noch pünktlich bei einem Vorstellungsgespräch auftaucht, dem fehlt es vermutlich währenddessen auch an der nötigen Ruhe und Gelassenheit. Von daher immer lieber ein bisschen mehr Zeit einplanen und in aller Ruhe vor Ort ankommen und die eigenen Gedanken noch einmal sortieren, bevor man seinem zukünftigen Chef die Hand schüttelt.

Fazit

Wenn ihr diese Punkte berücksichtigt und euch mit den Fragen oben einmal auseinandergesetzt habt, kann beim Bewerbungsgespräch nicht mehr viel schiefgehen. Wir drücken die Daumen!

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